Editorial 1/2011

Mit diesem Heft starten wir eine neue Frauenkulturzeitschrift mit dem Mut machenden Titel für alle Frauen ‚go40 - Frauen gestalten Zukunftskultur’. Sie ist Tochter und Erbin der Frauenkulturzeitschrift ‚ab40 - Zeitschrift von, für, über Frauen, wie sie leben, was sie denken, wer sie sind’, von der wir uns leider durch einen Schicksalsschub verabschieden mussten. Geplant hatten wir sie schon lange, diese Veränderung.

Diese erste go40 Ausgabe ist darum dem Thema „Erinnerung“, gewidmet, die noch aus dem Schatzkästchen der ab 40 stammt. Es sind Bruchstücke von Erinnerungen aus unterschiedlichen Lebenssituationen, verschiedenen Zeiten und Zeitdimensionen, die da in uns auftauchen.

So erzählt Gaby Dohm in unserer Titelgeschichte von ihrer Großmutter und von ihrer Mutter und über ihre eigene Kindheit und Jugend Erinnerungen, die durch das Ende des zweiten Weltkriegs und die Nachkriegsjahre geprägt waren. Es ist die Geschichte von drei starken Frauen, die ein unsichtbares Band einer gelebten Leidenschaft und Sehnsucht für die Welt der Kunst, der Musik, des Theaters und der Bühne über drei Generationen hinweg miteinander verbindet und sich allen äußeren und inneren Widerständen zum Trotz einen Weg in die Öffentlichkeit bahnt. Oder eine ganz anderes Erinnern: Der Weg von Ellen Andrea Seehusen, ‚einem global Baby’, das wie so viele Millionen von Babys auf der Welt ein Migrationsschicksal erlebt. In diesem Fall ein Deutsches in den USA. Babys, die aus dem sicheren, verwurzelten Boden ihrer Ahnen und deren Heimat und Kultur durch Krieg, Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen oder was auch immer, quasi herausgeschleudert werden und in eine fremde Kultur hineinwachsen. Ihre Großeltern emigrierten aus der damaligen DDR in die USA, ihre Mutter folgt ihnen später hochschwanger nach, und so wird sie in USA geboren. Sie fühlt sich heute eher als Amerikanerin, baute ihr Erwachsenen-, Studium und Berufsleben nach dem Motto ‚neugierig auf meine Wurzeln’ eher in Deutschland und in Europa auf. Mit ihrer Unternehmensgründung „I A M - International Art Management“ (Symbolisch: I am oder auf Deutsch „Ich bin“) spannt sie ein globales Netz von Deutschland als Basis aus und bringt die Kunst und die Unternehmenskultur in eine neue Balance, in der alle gestärkt werden.

Mit ihrem eindrucksvollem Fotoband „Baumwolle weltweit“ erinnern Christina Kleineidam und Hanspeter Jost an die globale Durchsetzung von Monokulturen, eines der vielen Missbrauch-Geschichten von uns Menschen mit und an der Natur. Wir bringen ein Beispiel, das neue, konstruktive Wege aufzeigt von Beatrou Sidibe aus Mali durch Kooperation und mit Unterstützung der Schweizer Hilfsorganisation Helvetas.

Es gibt noch mehr Wege, die aufgezeigt werden, gerade aus der Welt der Pflanzen wie die Eröffnung des Pflanzenmuseums in Hamburg von Loki Schmidt, die unseren Beitrag über ihr Lebenswerk leider nicht mehr lesen konnte. So wurde er ein Nachruf und eine Danksagung an eine Frau, die schon ein Stück Zukunftskultur hergestellt hat.

Und Erika Isolde Schäfer erinnert und weckt in ihrem Buch „Nachtmeerfahrt der Seele“ - in enger Zusammenarbeit seelenverwandt begleitet von der Künstlerin Brigitte Smith - mit ihren zukunftsweisenden Heilmethoden ganz neue, uralte Zeitdimensionen unseres menschlichen Bewusstseins: auch Zukunftskultur pur!!!! Lasst Euch überraschen, gerade auch von den Künstlerinnen unter uns! Oder auch durch das Zurückerinnern an das uralte, astrologische Wissen, das ich so liebe und mit dem Ralf Tarne in diesem Heft einen großen Bogen spannt… Danken möchte ich auch Mara Loyted-Haregg, durch deren Ausstellung vor zwei Jahren in Nürnberg mit dem Titel „Erinnerung“ der Beginn dieser besonderen Ausgabe entstand.

Mit diesem Heft wurde aus der Frauenkulturzeitschrift ‚ab40 -Zeitschrift von, für über Frauen, wie sie leben, was sie denken, wer die sind’ die Frauenkulturzeitschrift ‚go40 - Frauen gestalten Zukunftskultur’. Ein wichtiger und schöner Schritt, denn alles ist immer in Bewegung. Bewegen wir uns mit und weiter in Dankbarkeit und Respekt vor dem alten Wissen und Erleben der Menschheit und von uns Frauen und spannen bewusst mit an dem großen Bogen in die Zukunft mit unserer ganzen Kraft, Liebe und Kreativität, gestalten wir mit an einer Z u k u n f t s k u l t u r, die uns alle trägt auf unserem wunderschönen, blauen Planeten Mutter Erde und in diesem unendlichen kosmischen Geschehen. Ein liebevolles Ausklingen des alten Jahres und mutiges Eintauchen in ein neues Jahr, das Jahr 2011. Lasst uns zusammenhalten in diesen krisengeschüttelten Zeiten bei der Geburt in neue Zeiten und bewusst einem bunten, starken Bogen spannen in eine lebenswerte Zukunft für uns alle

Greta Tüllmann